Fünf Sterne Deluxe: how to do St. Moritz

Unsere Autorin Linda Seidensticker hat sich zwischen Pelze, Philipp-Plein-Strass und Liebespaaren aus Greis und Göre gemischt, um von den besten, teuersten, romantischsten und ikonischsten Hot Spots von St. Moritz zu berichten. Ein Abenteuerbericht mit allen Adressen, die es zu besuchen lohnt.

Los geht’s: Lindas Wochenende im glamourösesten Bergdorf der Welt.

St. Moritz ist der Ort, an dem der winterliche Jetset erfunden wurde. An dem der Geist von Gunther Sachs durch die Hotelflure tingelt und Privatjets wie Schneeflöckchen am Himmel glitzern.

Wer mit dem Auto anreist, wird zunächst ein wenig auf die Probe gestellt, denn schlecht befahrbare, da viel zu enge Serpentinen befinden sich im stetigen Wechsel mit öden Landstraßen, die sich quälend lang den Berg hochschlängeln. Doch irgendwann und quasi aus dem Nichts, eröffnet sich ein zugleich pittoresques, als auch überwältigendes Alpenpanorama und endlich stellt sich die Gewissheit ein: wir sind hier richtig.

Unsere Ferien beginnen gegen 14:30 Uhr an einem scheinbar ganz normalen Dienstag im Januar. Nachdem wir Auto, Sack und Pack an ein nettes Empfangskomitee im Kulm-Hotel abgegeben haben, drohte meine Vorfreude innerhalb von Sekunden in einen wahrlichen unschönen Zustand umzuschlagen: Hunger.

Pavarotti – Hat noch nie enttäuscht

Euphorisch liefen wir die enge Straße herunter in Richtung See – hier haben wir eine besonders hohe Gastro-Dichte erwartet, schließlich hat man im Skiurlaub doch immer Hunger?! Die Restaurants haben wir gefunden, doch unser Timing stellte sich als denkbar ungünstig heraus; zum Mittagstisch wird man bitte wesentlich früher erwartet.

Wie das Licht die Schmeißfliegen lockten mich aus lauter Verzweiflung die hässlichen Neonleuchten einer kleinen Dönerbude an. „Der Hunger treibt’s rein… aber stopp!“, auf dem Absatz kehrt und schon drückte ich die Nase fest an den Eingang eines kleinen Lokals unmittelbar neben dem sich fleißig drehenden Fleischspießes. Es war dieser Moment, in dem ich abermals lernen durfte, dass es so etwas wie die kulinarische Liebe auf den ersten Blick gibt. Welcome to Pavarotti.

Zu zweit durften wir uns einen der massiv-hölzernen Tische aussuchen und tauchten in eine Welt aus Weinfässern, Pavarotti-Arien und Pasta a la Mamma ab. Auf einmal wurde aus der hungrigen Zicke eine handzahme Brünette, die leicht beschwippst zur Hintergrundmusik wippte.

Das Pavarotti ist vor allem für seine langen Abende ohne Sperrstunde bekannt. Vom Gourmet bis zum Gelegenheitstrinker – jeder findet hier ein Tröpfchen ganz nach seinem Gusto. Wer sich übernimmt, darf besonders edle Flaschen sogar im eigenen Schließfach deponieren. Für’s nächste Mal!

Auf der Karte sind maximal fünf Gerichte – drei Mal Pasta, einmal Ragout und eine gemischte Schinken-Käse Variation. Extrawünsche gibt’s nicht – geht doch nach nebenan, da gibt’s Knoblauch und Fladenbrot. Perfekt al dente, mit genug Butter, um dem Wein eine Grundlage zu bieten, verdanke ich der Pasta im Pavarotti einen perfekten Start in den alpinen Wahnsinn. Vielleicht lag es auch am Franciacorta. Das werde ich wohl nie so wirklich wissen.

Authentisches Schinkenschneiden im Pavarotti

Das Kulm Hotel ist übrigens puffinös, aber urig. 5 Sterne der alten Art. Natürlich zahlt man zu viel Geld, aber das tut man in St. Moritz überall. Wenn man den Aspekt erstmal dezent verdrängt hat, hält es sich hier wunderbar aus. Nach einem Besuch des wirklich schönen Spabereichs mit Blick auf die Berge, waren wir zu müde um direkt zum Dinner aufzubrechen. In familiärer Runde machten wir uns in der Lobby über Club Sandwiches und Caesarsalads her – schließlich wollten wir am nächsten Morgen in aller Euphorie die ersten Spuren in den Schnee ziehen. Zum Mittagessen hatten wir uns bereits etwas Großes vorgenommen:

El Paradiso – Lunch in den Bergen

Zur hauseigenen Hymne von DJ Antoine schwingt der Alpine Jetset im El Paradiso das Skischuh-schwere Tanzbein. Natürlich mit einem Gläschen Rosé oder Champagner in der Hand, sonst würde man unangenehm auffallen.

Nein, das El Paradiso ist keine klassische Ski-Hütte, doch für mich ist sie eines dieser Fleckchen Erde, die zarten Gemütern die Tränen in die Augen treiben. Wie im Bilderbuch. Nach 1, 2, 3 Gläsern Blubber-Wein winkt man sogar den Engelchen zurück – man ist schließlich so close to heaven!

Wein und die Weiten der Alpen im El Paradiso

Das El Paradiso spaltet die Geister – alt eingesessene St. Moritz-Gänger sagen es sei eine Geldfalle für Luxustouristen und hätte nichts mit St. Moritz zu tun. Mag sein, doch ist das nicht egal? Perfekt eingedeckte Tische, kuschelige Lammfelle, super Essen (alles, was das Herz begehrt) und Musik, die gute Laune macht, sind für mich Grund genug, den Ort in die Must-Visit-Liste aufzunehmen.

Ich möchte abermals nochmal betonen, wie schön es hier oben ist: Freier Blick auf die unendlichen Weiten der Alpen. Kein Lokal für jeden Tag, aber definitiv für besondere Anlässe. Hier kann man zum Beispiel das Leben, die Liebe oder sich selbst feiern. Anstatt es „Skihütte“ zu nennen, taufen wir es einfach um: ein stylischer Hot-Spot viele viele Meter über dem Meerespiegel.

Sogar Heidi Klums Ex, Vito Schnabel hat hier Anfang Februar die ganze Hütte gemietet und ein feudales Dinner nach seinem Gallery Opening gegeben, mit Gästen wie Bob Colacello und Maragerita Missoni, allerdings kam das Catering dafür aus New York.

La Baracca – Party auf dem Parkplatz

Wer sich nach einer beschwipsten Abfahrt hoffentlich noch nicht am Kreuzband verletzt hat, der kann am besten direkt weitertanzen. Da wir anlässlich eines Geburtstags in St. Moritz waren, haben wir keine Zeit vergeudet und uns direkt in die nächste Gaudi gestürzt. Auf einem großen Parkplatz direkt am etwas außerhalb gelegenen Kempinski Hotel, steht das La Baracca. Auf deutsch heißt das soviel wie „die Hütte“. Es ist wirklich nicht mehr, als eine Hütte und vermutlich ist es gerade wegen der Gegensätzlichkeit von Optik und Inhalt so beliebt. Das Essen überzeugt auf ganzer Linie, die Drinks sowieso und nach dem Hauptgang wird auf den Bänken getanzt. Rustikaler könnte das Ambiente nicht sein und doch sieht man hier neben Jeans und Kaschmipullovern auch Balmain-Blazer und High-Heels. Immerhin funkelt ein Kronleuchter in der Mitte.

Tipp: das fein aufgeschnittene, kurz angebratene Rinderfilet auf Rucola oder das Safranrisotto.

Nach all der Feierei (richtig so, das Leben ist kurz) klingt ein Tag an frischer Alpiner, alkoholfreier Luft doch nach einem wahrlich paradiesischen Unterfangen, oder?

Dachten wir uns auch. Wir haben ein paar liebe Freunde in St. Moritz, die uns auf eine kleine, geheime Kutschfahrt entführten. Richtig schön urig und definitiv ein Programmpunkt, den wir ohne die „Locals“ niemals entdeckt hätten.

Hotel-Restaurant Sonne-Fex: Ab Sils Maria per Kutsche zum Fondue

Nach einer kurzen Autofahrt ins nahegelegene Örtchen Sils Maria, wurden wir von einer rustikalen Kutsche, mit hübschem Kaltblüter-Gespann und viel weichem Lammfell empfangen. Gut eingewickelt und ein paar kitschige Fotos später, tuckerten wir zum gleichmäßigen Hufgeklapper in Richtung Fondue.

Das Hotel-Restaurant Sonne-Flex ist niedlich. Mitten im Nichts, also fernab von Philipp Plein-Strass, Mercedes G-Klassen und Balmain-Blazern. Perfekt. Im rustikalen Ambiente begrüßte uns dieser typisch-schwere Käsegeruch bereits beim Öffnen der Tür.

Zwei Stunden, zwei Kesselchen mit Käsefondue, einigen Kartoffeln, Graubrot und unzähligen Rivella Grün und Blau später, konnten wir uns kaum noch rühren. Eine zufriedene Stille stellte das Indiz dar: Alle happy, alle satt, einfach wunderbar. Auf dem Rückweg fing es an zu schneien, das Wintermärchen war perfekt. Wieso waren wir nicht schon viel öfter hier?

Tea and Champagne im Badrutt’s Palace

Das Palace gilt als DAS Hotel in St. Moritz. Wer hier nicht mindestens mit 50% Pelzanteil gekleidet erscheint, sticht aus der Masse hervor. Das war damals so, das ist heute so und das wird sicherlich auch morgen noch der Fall sein. Überkorrigierte Gesichter eines reiferen Publikums sitzen neben leichtbekleideten Frauen mit 30 Jahre älterem Ehemann (die wahre Liebe). Instagram-Models posieren auf der Terrasse und ab und an mal sitzen hier auch ganz normale Leute. Es ist einfach herrlich, sich einen der Plätze zu ergattern und sich das bunte Treiben mit frischen Minztee und Gebäck anzuschauen. Besser als Netflix.

Jährliche Highlights: Silvester im Gala-Outfit und die Kitchen Party im Januar, in der die Küche mit weit offenen Türen zum Aktionsplatz für hungrige Gourmets wird.

Pelz-Parade im Badrutt’s Palace

Dem Badrutt’s kann man seinen Überschuss an in die Jahre gekommenem Luxus nicht verübeln. Es ist einer dieser Orte, die als Paradebeispiel von Adel und der „feinen Gesellschaft“ parodiert werden. Wer sich hier niederlässt möchte dieses kurze „mehr geht nicht“ Gefühl genießen. Man möchte, dass das sehr schmackhafte Clubsandwich unter silbernen Glocken und mit weißen Handschuhen serviert wird. Man möchte mit einem Knicks des Portiers begrüßt und verabschiedet werden. Man möchte sich immer ein wenig über die unverschämten Preise aufregen, doch man möchte sie auch zahlen, allein schon um die Geschichte zu erzählen.

Ich liebe das Badrutt’s. Ein riesengroßes, reiches Kuriositätenkabinett.

Alpina-Hütte – so herrlich normal!

Nein, nicht in jeder Hütte muss man Champagner trinken und getrüffeltes Tartar essen. Es gibt eine Vielzahl an „normalen“ Skihütten, in denen man immer die Gulaschsuppe probieren muss.

Lieblingstreffpunkt für ein entspanntes Lunch auf Pistenhöhe: die Alpina-Hütte. Zu Fuß leider nur schwer erreichbar, ist sie ein perfekter Treffpunkt für alle hungrigen Schneehäschen, die Lust auf simples, aber gutes Essen haben.

Gulaschsuppe im Schnee gibt es in der Alpina Hütte

Feine Käsespätzle, Engadiner Wurst mit Sauerkraut oder Leberknödelsuppe, aber auch eine leckere Pasta finden auf dem Tisch statt. Zum Aufwärmen hilft ein Glühwein oder eine Heiße Schocki mit Schlag.

Tipp: Wer nicht zum Essen kommen will, der sollte sich an der Bar mit einem Drink verwöhnen. Quasi direkt auf der Piste mit Musik und einem Blick über das Engadin. Ein schönes Fleckchen Erde. Wer zuerst kommt, kann sich einen Platz in einem der Sonnenstühle ergattern du zudem den Teint ein wenig auffrischen.

Chesa Veglia

1695 erbaut, ist das zum Badrutt’s Palace gehörige Restaurant Chesa Veglia eine echte St. Moritzer Institution. Im Herzen der niedlichen Innenstadt, vereint das urige Alpenhäusel im Engadinger Baustil gleich drei kulinarische Erlebnisse unter einem Dach. Wer Lust auf schweizer Spezialitäten und internationale Feinheiten hat, den locken die Patrizier Stuben. Klassisch französische Haute Cuisine gibt’s im Chadafö und besonders gemütlich und vor allem beim jungen Publikum beliebt: Die Pizzeria Heuboden. Perfekt für einen gemütlichen Abend, mit schweren Skihaserl-Schenkeln, durch Bräunungslinien verewigte Skibrillen im Gesicht und in wohliger Weinlaune.

Keine Frage, dieses Lokal ist ein echter Dinosaurier der Gastro-Szene, doch es lockt durch den in die Jahre gekommenen Charme von damals.

Ach ja, das war doch was: Wir sind meistens im Skigebiet Corviglia gefahren. Das erstreckt sich über den St. Moritzer Hausberg „Piz Nair“. Wer alle Abfahrten gemeistert hat, kann sich in den benachbarten Gebieten Corvatsch oder Diavolezza erneut auf die Probe stellen. Kurz: auch für die sportliche Vielfalt ist gesorgt. Wandern kann man auch, somit gibt es keine Ausrede, sich nicht in den weißen Weiten des Engadings zu verlieren.

Was ich auch noch empfehlen kann:

Dinner:

Veltliner Keller

Urig, schweizer Speisen, entspannt!

Dal Mulin

Zeitgemäßg, stilvoll, trendy

The K by Tim Raue

Für Freunde von Tims Sterneküche mit Asia-Flair. Feinschmecker Adresse!

Hato und Maha

Für alle, die auch in den Bergen nicht auf Sushi und Fusion verzichten wollen

Balthazar St Moritz

Letztes Jahr neu eröffnet

Mittags: w

Badrutt’s Palace

In der Halle des Foyers oder auf der Terrasse essen, es gibt genug zu sehen

Salastrains

Bergrestaurant – Italien meets Graubünden! Sehr coole Schneebar mit Livemusik oder DJ! Super Après-Ski

Hotels:

Kulm Hotel – 5 Sterne

Klassischer Luxus mit sehr guter Spa und vielen Restaurants

Badrutt’s Palace – 5 Sterne

DAS Grand Hotel der Stadt mit freiem Blick auf den See, die Lobby ist der Treffpunkt der Welt.

Grand Hotel des Bains Kempinski – 5 Sterne

Etwas außerhalb, dafür sehr schön!

Nira Alpina – 5km vom Stadtkern entfernt

Cooles, alpines Designhotel

Giradino Mountain Hotel – 5 Minuten vom Stadtkern entfernt

Stylisch, modern und etwas außerhalb gelegen

Hotel Waldhaus am See

Hier ziehen sich diejenigen zurück, die St. Moritz in Ruhe geniessen und den JetSet vermeiden wollen. Beherbergt die grösste Whisky Bar im Guiness Buch der Rekorde.

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